LICHTSPRACHE
Die Zeitschrift für den Transformationsprozess

Die Occupy-Bewegung

Die „Occupy“-Bewegung

Sie sind die 99 Prozent der Bevölkerung, die sich 1 Prozent des Reichtums der Welt teilen müssen, während einem Prozent 99 Prozent des Reichtums der Welt gehören. Dieses Ungleichgewicht wollen sie verändern, denn sie sind in der Überzahl – wir sind in der Überzahl, denn immer mehr Menschen schließen sich der „Occupy“-Bewegung an. Und dabei muss man keinem Verein beitreten und nichts unterschreiben. Die Bewegung ist aus dem Nichts entstanden und hat in kürzester Zeit unglaublich viele Anhänger gefunden.

Sie begann am 17. September mit einer Handvoll Leute in New York, die für ein besseres Finanzsystem protestieren wollten. Ursprünglich war es angedacht, die Wall-Street zu besetzen – wodurch der Name „Occupy Wallstreet“ entstand. Doch aus Mangel an Erlaubnis wurde der Protest, bei dem Zelte aufgeschlagen und Musik gespielt wurde, im Zuccotti-Park abgehalten. Schnell weitete sich dieser zu einer Massenbewegung aus. Organisiert wurden die Proteste von engagierten Menschen, und die Verbreitung fand über das Internet (Twitter, Facebook) statt. Das Ziel: die Banken zu entmachten, die viel zu viel Einfluss auf die Politik haben, und die Auswüchse der Finanzindustrie zu bekämpfen.

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In weniger als einem Monat war die Protestbewegung auch auf andere Länder übergegangen, und am 15. Oktober gab es schließlich weltweit in mehreren Städten Occupy-Demos, unter anderem in Rom, Madrid, Paris, London, Stockholm, Frankfurt und Berlin. Auch in Köln, München, Leipzig, Bochum, Stuttgart, Hamburg und Bremen (Bilder) fanden Proteste statt. Die Teilnehmerzahlen gingen in manchen Städten in die Zehntausende. Auch in Asien und Australien gab es Proteste. Selbst Prominente wie Susan Sarandon, Michael Moore und Julian Assange nahmen teil.

Am 5. November fand außerdem der „Bank Transfer Day“ statt, bei dem alle Mitstreiter ihr Geld vom Konto (der Großbanken ) nahmen, um ein Zeichen zu setzen. Dabei waren alle aufgefordert, ihr Geld von den Großbanken abzuheben oder es auf kleine Regionalbanken zu transferieren. Und tatsächlich gab es eine ordentliche Anzahl von Kontobewegungen, und zwar schon im Vorfeld. Seit Ende September, so die Vereinigung der Genossenschaftsbanken, haben 650.000 Amerikaner neue Konten bei ihnen eröffnet; soviel Neuzugänge haben die Banken nur in einem ganzen Jahr. Insgesamt sollen 4,5 Milliarden Dollar Guthaben von den Großbanken zu den Genossenschaftsbanken übergegangen sein. Vier von fünf Kunden gaben den „Bank Transfer Day“ als Grund für die Kontoeröffnung an. Auch die Vereinigung der amerikanischen Gemeinschaftsbanken melden eine Zunahme an Neukunden. Einige US-Großbanken haben schon reagiert und die Kontoschliessung erschwert oder ganz behindert. Seltsamerweise kam es zwischen dem 4. und 5. November bei der HSBC Bank zu großflächigen Computerausfällen. Auch Schweizer Geldautomaten funktionierten eine Zeitlang nicht. Ob es nun damit zusammen hängt oder nicht, wir sehen: es kommt etwas in Gang!

SK (erschienen in LICHTSPRACHE Nr. 80)