LICHTSPRACHE
Die Zeitschrift für den Transformationsprozess

Vulkanausbruch in Island

Vulkanausbruch in Island
Ein raumschaffender Moment

 

Die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull war nach den beiden Erdbeben in Haiti und in Chile ein weiteres großes Wandelereignis, das diesmal ganz Europa umgekrempelt hat. Vom 14. bis 22. April ging gar nichts mehr. 100.000 Flüge wurden in Europa und 40.000 in Deutschland gestrichen.

Bei diesem Ereignis zeigte sich die Trennung der Welten erneut, die wir seit Herbst letzten Jahres haben. Denn die einen erlebten die eine Woche andauernden Flugausfälle und das damit einhergehende Verkehrschaos als Katastrophe, während die anderen die himmlische Ruhe am Himmel als Segen und als kurzzeitiges Paradies auf Erden empfanden. Erstmalig war wahrnehmbar, wie der Himmel tatsächlich ohne wolkenerzeugende Kondensstreifen und damit auch ohne Chemtrails aussieht!

Die Aschewolke brachte jeden, der gerade unterwegs war und möglicherweise gerade zwischen zwei Welten bzw. Lebenssituationen pendelte, zu einer Entscheidungsmöglichkeit über die künftige Standortfrage. Wer seinen Platz gefunden hatte, erlebte das Chaos nur am Rand und konnte die geschenkte Zeit unter einem strahlend blauen freien und ruhenden Himmel genießen. Und wer noch nicht wusste, wo sein wahrer Standort ist, wurde möglicherweise vor die Entscheidung gestellt, an jenem Ort gestrandet zu sein, der für ihn vielleicht der passende ist. Wie auch immer es der einzelne erlebte – es ging um die Standortfrage und den eigenen Platz, dem Zuhause. Fernbeziehungen wurden dabei ganz besonders auf die Probe gestellt. Menschen, die sich besuchen wollten, konnten sich nicht sehen, weil kein Flugzeug startete. Und Menschen, die abreisen und sich verabschieden wollten, mussten zusammenbleiben. Ähnlich wie bei dem Schneechaos Anfang des Jahres waren wir alle zur Besinnung auf den Ort angehalten, an dem wir gerade waren. Und darum geht es im Moment auch – sich zu finden, seinen eigenen Platz, sein inneres und äußeres Zuhause auf dem Planeten. Und oft können wir solcherlei Entscheidungen erst dann fällen, wenn wir unter Druck sind.

Erneut war es die Erde selbst, die uns eine länderübergreifende Erfahrung schenkte und uns damit zeigte, wie sie nur mit wenigen Mitteln die Ordnung der Gesellschaft durcheinanderbringen kann. Dass dies direkt von Island ausging und sich auf ganz Europa ausdehnte, ist auch nicht zufällig, da Europa sich im Moment in einem Umbruch befindet. Island, das durch die Finanzkrise ausgeblutet ist, ist im Wandel, ebenso wie die gesamte EU – heute mehr denn je, seit entschieden wurde, dass der Euro auf der Kippe steht. Der Vulkan hat dabei neue Elemente aus dem Erdinneren an die Oberfläche und an die Luft gebracht, die zu dieser Umwandlung beitragen. Gleichzeitig wurden alte Inhalte verbrannt, denn das feurige Ereignis geschah auf der Feuerinsel Island. Das Klima konnte sich durch die Flugverbote ebenfalls erholen, und wir bekamen einen Einblick darin, wie friedlich es ohne Luftverkehr auf Erden sein kann und wie klar der Himmel aussieht, wenn keinerlei Emissionen ihn durchziehen. Dieses Ereignis schenkte uns außerdem eine Entschleunigung, etwas das Teil des Wandels ist.

Natürlich gab es zu diesem Ereignis auch Kontroversen und Streitereien um die Gefahr, die von Aschepartikeln ausgeht. Manche Quellen sprachen auch davon, dass im Hintergrund NATO-Übungen stattfanden, für die der Luftraum in Wirklichkeit abgesperrt worden war. Auch in diesen zwei Sichtweisen zeigt sich die Trennung der Welten: Wie sehen wir die Welt? Nehmen wir die Dinge, die passieren, als Geschenk an (ohne blauäugig zu sein) oder vermuten wir hinter allem ein Komplott der Regierung?

Die Aschewolke hat einen Raum geschaffen. Sie hat Menschen zusammengeführt, die sich sonst nie begegnet wären. Sie hat diejenigen getrennt, die ihren inneren Raum bereits woanders wahrnahmen. Sie ließ jene aufatmen, die dem Fluglärm tagein tagaus ausgeliefert sind. Sie zwang Politiker und Fluggesellschaften zum Umdenken, um in künftigen Situationen schneller reagieren zu können. Sie ließ Raum für etwas, was wir am Himmel normalerweise nicht wahrnehmen. Und sie ließ alle Menschen Europas erkennen, wie sich eine Welt ohne Flugzeuge anfühlen würde. (S. Kreth, erschienen in LICHTSPRACHE Nr. 72, Juni/Juli 2010)